Stundensatz für freiberufliche Softwareentwickler

Was du als freiberuflicher Entwickler mindestens verlangen musst — und warum der Marktmedian von 90 Euro nur reicht, solange deine Projekte lückenlos aneinander anschließen.

Von Clemens AndritschkeAktualisiert

Allgemeiner Stundensatz-RechnerGrafikdesigner

Was nach Steuern, Versicherungen und Betriebskosten übrig bleiben soll.

Software, Hardware, Berufshaftpflicht, Steuerberatung, Büro, Weiterbildung.

%

Einkommensteuer plus Kranken- und Pflegeversicherung, grob kombiniert. 35–45 % sind bei mittleren Gewinnen üblich.

52 minus Urlaub und Krankheit.

%

Anteil, den du berechnen kannst.

Mindest-Stundensatz netto

82,30 €

≈ 658,39 € pro 8-Stunden-Tag

Wunsch-Netto60.000 €
Nötiger Gewinn vor Abgaben100.000 €
+ Betriebskosten6.000 €
Nötiger Jahresumsatz (netto)106.000 €
Abrechenbare Stunden / Jahr1.288
Auf der Rechnung(inkl. 19 % USt)97,93 €

Über 25.000 € Jahresumsatz greift die Kleinunternehmerregelung nicht: auf jede Rechnung kommen 19 % Umsatzsteuer, die du ans Finanzamt abführst.

Was der Markt zahlt — und was davon bei dir ankommt

Laut Freelancer-Kompass 2026 liegt der Median für Software- und Webentwicklung bei 90 Euro pro Stunde, über alle IT-Bereiche bei 95 Euro. Der Median ist hier die ehrlichere Zahl als der Durchschnitt: die Hälfte der Befragten liegt darunter, die Hälfte darüber, und ein paar sehr hohe Spezialisten-Honorare verschieben ihn nicht.

Wichtig ist, welche Zahl du vergleichst. Läuft dein Projekt über einen Vermittler, zahlt der Endkunde mehr, als bei dir ankommt — der Vermittler lebt von der Differenz. Vergleiche deshalb deine eigene Untergrenze mit dem, was du tatsächlich bekommst, nicht mit dem, was der Kunde bezahlt.

Der Rechner oben liefert mit seinen Voreinstellungen 82,30 Euro als Untergrenze. Beim Marktmedian bleiben damit knapp acht Euro Luft pro Stunde. Das klingt nach Reserve, ist aber eine, die schnell aufgebraucht ist.

Projektlücken sind der teuerste Posten

IT-Projekte laufen oft über Monate, dafür mit hoher Auslastung — 70 Prozent abrechenbare Zeit sind in einem laufenden Projekt realistisch. Das eigentliche Risiko sind die Wochen zwischen zwei Projekten: Krankenversicherung, Lizenzen und Miete laufen weiter, Umsatz gibt es keinen.

Eine einzige Lücke von sechs Wochen senkt die Arbeitswochen von 46 auf 40 und hebt die Untergrenze im Beispiel von 82,30 auf 94,64 Euro — über den Marktmedian. Wer zum Marktpreis arbeitet und zwischen den Projekten Pause hat, verdient unter seinem Ziel, ohne es an einer einzelnen Rechnung zu merken.

Praktisch heißt das: Plane mit weniger Wochen, als du hoffst, und fang mit der Akquise für das nächste Projekt an, wenn das laufende noch sechs bis acht Wochen hat — nicht erst in der letzten.

Scheinselbstständigkeit: das Risiko, das in keinem Stundensatz steht

Nach § 7 SGB IV sind Tätigkeit nach Weisungen und Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Auftraggebers die Anhaltspunkte für eine abhängige Beschäftigung. Genau so sehen viele IT-Projekte aus: ein einziger Kunde, feste Zeiten im Team, Firmenlaptop, Daily mit den Angestellten.

Stellt die Rentenversicherung eine Beschäftigung fest, werden rückwirkend Sozialversicherungsbeiträge fällig. Deshalb setzen manche Unternehmen bei Einzel-Freelancern auf Vermittler — was wiederum den Satz drückt, der bei dir ankommt.

Klarheit schafft das Statusfeststellungsverfahren der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund. Es ist kostenfrei und lässt sich auch vor Beginn der Tätigkeit durchführen. Und es hängt mit deinem Satz zusammen: mehrere Auftraggeber, eigene Ausstattung und unternehmerisches Risiko sprechen für Selbstständigkeit — kosten aber Zeit für Akquise und senken den abrechenbaren Anteil.

Stundensatz oder Tagessatz?

In IT-Projekten wird oft pro Tag abgerechnet. Der Rechner zeigt deshalb auch den Satz für einen Acht-Stunden-Tag. Entscheidend ist, dass die Tageslänge im Vertrag steht: wer bei einem Tagessatz regelmäßig neun oder zehn Stunden arbeitet, verschenkt jeden Tag ein bis zwei Stunden.

Beispiel: 5.000 Euro netto im Monat, mit und ohne Projektlücke

Ein Backend-Entwickler, gesetzlich versichert, 40-Stunden-Woche, 70 % seiner Zeit abrechenbar — typisch für lange Projekte. Ihm sollen 60.000 Euro im Jahr bleiben. Das sind die Voreinstellungen des Rechners oben.

Beispiel: 5.000 Euro netto im Monat, mit und ohne Projektlücke
SchrittZwischenstandWarum
Wunsch-Netto pro Jahr60.000 €Was nach Steuern, Versicherungen und Kosten bleiben soll
÷ (1 − 40 % Abgaben)100.000 €Nötiger Gewinn vor Einkommensteuer, Kranken- und Pflegeversicherung. 40 % ist ein Beispielwert — setz deinen eigenen ein
+ Betriebskosten106.000 €6.000 € für Hardware, Lizenzen, Cloud, Berufshaftpflicht
÷ abrechenbare Stunden1.288 h46 Wochen à 40 Stunden, davon 70 % abrechenbar
Mindest-Stundensatz82,30 € netto

Beim Marktmedian von 90 Euro bleiben ihm knapp acht Euro Luft pro Stunde. Eine Lücke von sechs Wochen zwischen zwei Projekten reicht, um die Untergrenze auf 94,64 Euro zu heben — über den Median. Zum Marktpreis zu arbeiten funktioniert nur mit lückenlosen Anschlussprojekten; wer Pausen einplant, muss darüber liegen.

Vier Fehler, die dich Geld kosten

  • Das Angestelltengehalt zum Maßstab machen

    Ein Entwickler-Gehalt enthält Urlaub, Krankheitstage, den halben Sozialversicherungsbeitrag und keine Projektlücken. Wer sein altes Brutto durch die Jahresstunden teilt, landet weit unter seiner Untergrenze.

  • Den ersten Satz des Vermittlers annehmen

    Vermittler verdienen an der Differenz zwischen dem, was der Kunde zahlt, und dem, was bei dir ankommt. Der erste genannte Satz ist eine Verhandlungsbasis, kein Marktpreis — rechne vorher deine Untergrenze aus und nenne eine Zahl darüber.

  • Projektlücken nicht einplanen

    Mit 46 Arbeitswochen zu kalkulieren setzt voraus, dass jedes Projekt nahtlos ins nächste übergeht. Schon eine Lücke von sechs Wochen hebt die Untergrenze im Beispiel um mehr als zwölf Euro pro Stunde.

  • Die Statusfrage erst im Projekt stellen

    Ob ein Einsatz nach Beschäftigung aussieht, lässt sich vor Beginn klären — kostenfrei über das Statusfeststellungsverfahren. Mitten im Projekt ist es für beide Seiten deutlich unangenehmer.

Häufige Fragen

Wie viel verdient ein freiberuflicher Softwareentwickler pro Stunde?
Laut Freelancer-Kompass 2026 liegt der Median für Software- und Webentwicklung bei 90 Euro, über alle IT-Bereiche bei 95 Euro (Durchschnitt 97 Euro). Was du mindestens brauchst, hängt vor allem von deiner Auslastung ab: mit Projektlücken liegt die Untergrenze schnell über dem Median.
Stundensatz oder Tagessatz — was ist in IT-Projekten üblich?
Häufig der Tagessatz. Rechne ihn aus deinem Stundensatz mal acht und halte die Tageslänge im Vertrag fest, sonst werden aus acht bezahlten schnell zehn gearbeitete Stunden.
Bin ich scheinselbstständig, wenn ich nur einen Kunden habe?
Ein einzelner Kunde allein entscheidet das nicht. Nach § 7 SGB IV sind Weisungsgebundenheit und Eingliederung in die Organisation des Auftraggebers die zentralen Anhaltspunkte, die Rentenversicherung bewertet das Gesamtbild. Verbindliche Klarheit gibt das kostenfreie Statusfeststellungsverfahren, auch schon vor Projektbeginn.
Mit wie vielen Arbeitswochen soll ich rechnen?
52 minus Urlaub, Krankheit und die Lücken zwischen Projekten. Wer bisher nie länger ohne Projekt war, kann mit 44 bis 46 Wochen planen; wer schon Leerlauf hatte, sollte ihn ehrlich einrechnen — er ist der größte Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Jahr.
Zahle ich als Softwareentwickler Gewerbesteuer?
Das hängt von der Tätigkeit ab; ob sie freiberuflich oder gewerblich ist, entscheidet das Finanzamt im Einzelfall. Für die Kalkulation macht es wenig aus: Gewerbesteuer fällt erst auf den Gewerbeertrag oberhalb von 24.500 Euro an und wird größtenteils auf die Einkommensteuer angerechnet.

Quellen

Die Ergebnisse sind eine Planungshilfe, keine Steuer- oder Rechtsberatung. Beitragssätze und Grenzen ändern sich jährlich; für eine verbindliche Zahl frag deine Steuerberatung.